Brustkorb (Thoracic cage)
Der Brustkorb ist das knöcherne und knorpelige Gerüst der Thoraxwand. Er schützt Herz, Lungen und große Gefäße, ermöglicht die Atembewegungen und dient als Ansatz für viele Muskeln von Hals, Rücken, Schultergürtel und Bauchwand.
Abb. 1: Thorax von ventral. Public domain: Gray's Anatomy / Wikimedia Commons.
Kurzüberblick
• Bestandteile: Sternum, 12 Rippenpaare, Rippenknorpel und 12 Brustwirbel.
• Rippen 1-7 sind echte Rippen, Rippen 8-10 unechte Rippen und Rippen 11-12 freie bzw. fluktuierende Rippen.
• Die Interkostalräume enthalten Interkostalmuskeln sowie den neurovaskulären Strang.
• Die Form des Brustkorbs erlaubt Schutz und gleichzeitig elastische Bewegung bei der Atmung.
Bestandteile des Thoracic cage
Sternum
Manubrium, Corpus sterni und Processus xiphoideus.
Sternalwinkel als tastbare Landmarke für Rippe 2 und Höhe Th4/Th5.
Rippen
12 Paare; posterior mit Brustwirbeln verbunden.
Frakturen, Thoraxinstabilität, Schmerzen bei Atmung.
Rippenknorpel
Hyaliner Knorpel verbindet Rippen mit Sternum bzw. Rippenbogen.
Elastizität des Thorax; Costochondritis möglich.
Brustwirbel
Posteriorer Anteil des Thoraxgerüsts.
Gelenkflächen für Rippenkopf und Rippenhöcker.
Interkostalräume
Raum zwischen benachbarten Rippen.
Venen, Arterien und Nerven verlaufen geschützt am Unterrand der Rippe.
Ventrale, dorsale und laterale Ansicht
Von ventral erkennt man Sternum, Rippenknorpel und Rippenbogen besonders gut. Von dorsal stehen die gelenkige Verbindung zu Brustwirbelsäule und Rippenwinkeln im Vordergrund. Lateral wird die schräg nach kaudal verlaufende Rippenstellung deutlich.
Abb. 2: Thorax von dorsal. Public domain: Gray's Anatomy / Wikimedia Commons.
Abb. 3: Thorax von lateral. Public domain: Gray's Anatomy / Wikimedia Commons.
Sternum
Das Sternum liegt in der vorderen Medianlinie. Es besteht aus Manubrium sterni, Corpus sterni und Processus xiphoideus. Am oberen Rand des Manubriums liegt die Incisura jugularis; lateral davon befinden sich die Incisurae claviculares für die Sternoklavikulargelenke.
• Angulus sterni: Übergang zwischen Manubrium und Corpus sterni; hier setzt der 2. Rippenknorpel an.
• Der Processus xiphoideus ist variabel geformt und kann lange knorpelig bleiben.
• Bei Reanimation und klinischer Untersuchung dient das Sternum als wichtige Landmarke.
Abb. 4: Sternum und Rippenknorpel. Public domain: Gray's Anatomy / Wikimedia Commons.
Rippen und Rippenklassifikation
1-7
Costae verae / echte Rippen
Direkte Verbindung zum Sternum über eigenen Rippenknorpel.
8-10
Costae spuriae / unechte Rippen
Indirekte Verbindung über den Rippenknorpel der jeweils oberen Rippe.
11-12
Costae fluctuantes / freie Rippen
Keine ventrale knöcherne oder knorpelige Verbindung zum Sternum.
Eine typische Rippe besitzt Caput costae, Collum costae, Tuberculum costae, Angulus costae und Corpus costae. Am Unterrand verläuft der Sulcus costae mit Vena, Arteria und Nervus intercostalis.
Gelenke des Brustkorbs
• Articulationes costovertebrales: Verbindung zwischen Rippenkopf und Wirbelkörpern.
• Articulationes costotransversariae: Verbindung zwischen Rippenhöcker und Querfortsatz.
• Articulationes sternocostales: Verbindung zwischen Sternum und Rippenknorpeln.
• Articulationes costochondrales und interchondrales: Übergänge zwischen Rippen, Knorpeln und Rippenbogen.
Thoraxaperturen
Die obere Thoraxapertur verbindet den Thorax mit Halsregion und oberer Extremität. Die untere Thoraxapertur ist größer und wird durch das Zwerchfell verschlossen. Durch beide Öffnungen ziehen wichtige Gefäße, Nerven, Luftwege und Speiseröhre.
• Obere Thoraxapertur: begrenzt durch Th1, erste Rippen und oberen Rand des Manubriums.
• Untere Thoraxapertur: begrenzt durch Th12, Rippen 11-12, Rippenbogen und Processus xiphoideus.
Atemmechanik
Bei der Inspiration vergrößert sich der Thoraxraum. Das Zwerchfell senkt sich nach kaudal, die Rippen heben sich, und dadurch steigen der anteroposteriore und transversale Durchmesser.
• Pump-handle-Bewegung: vor allem obere Rippen und Sternum bewegen sich nach ventrokranial.
• Bucket-handle-Bewegung: mittlere und untere Rippen vergrößern den transversalen Durchmesser.
• Interkostalmuskeln stabilisieren die Interkostalräume und unterstützen die Atembewegung.
Interkostalraum und neurovaskuläres Bündel
Im Sulcus costae am Unterrand einer Rippe verlaufen Vena, Arteria und Nervus intercostalis typischerweise von kranial nach kaudal als VAN. Deshalb werden Punktionen und Drainagen klinisch eher am Oberrand der darunterliegenden Rippe orientiert.
Abb. 5: Ventrale Thoraxwand mit Gefäßverlauf. Public domain: Gray's Anatomy / Wikimedia Commons.
Klinische Orientierung
Rippenfraktur
Schmerzhaft bei Atmung; mehrere instabile Frakturen können zu flail chest führen.
Pneumothorax / Hämatothorax
Luft oder Blut im Pleuraspalt; klinisch relevant bei Trauma und Interventionen.
Thoraxdrainage
Orientierung an Interkostalräumen; neurovaskuläres Bündel am Rippenunterrand beachten.
Pectus excavatum / carinatum
Formvarianten der vorderen Thoraxwand.
Zervikalrippe
Zusätzliche Rippe von C7 kann zum Thoracic-outlet-Syndrom beitragen.
Sternalwinkel
Tastbarer Bezugspunkt für Rippe 2, Thoraxniveau Th4/Th5 und klinische Zählung der Rippen.
Lernschema
• 1. Thoraxgerüst als Sternum, Rippen, Rippenknorpel und Brustwirbel verstehen.
• 2. Echte, unechte und freie Rippen sicher unterscheiden.
• 3. Sternum mit Manubrium, Corpus und Xiphoid lernen.
• 4. Gelenke und Atembewegungen mit Pump-handle und Bucket-handle verknüpfen.
• 5. Interkostalraum klinisch mit VAN und Drainage-/Punktionsregeln verbinden.
Zusammenfassung
Der Thoracic cage schützt vitale Organe und bildet zugleich ein elastisches Atemgerüst. Für das Verständnis sind Sternum, Rippenklassifikation, Rippenknorpel, Interkostalräume, Thoraxaperturen, Atemmechanik und klinische Landmarken entscheidend.
Referenzen
1) Anatomie-Lehrbücher
2) Gray H, Carter HV. Anatomy of the Human Body, 20th ed., 1918; Tafeln 112-116.
3) Wikimedia Commons: Gray112.png, Gray113.png, Gray114.png, Gray115.png, Gray116.png; Public Domain Mark 1.0.
4) OpenStax Anatomy and Physiology 2e, Abschnitte zum Axialskelett und Thorax.