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Der Gastrointestinaltrakt (GIT) umfasst den gesamten Verdauungstrakt von der Speiseröhre bis zum Rektum und Anus. Dazu gehören auch die Organe, die für die Verdauung wichtig sind, vor allem Leber, Gallenwege und Pankreas.
Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Dazu gehören unter anderem Entzündungen, Infektionen, Durchblutungsstörungen, Verletzungen, Fehlbildungen und Tumorerkrankungen. Je nach betroffenem Organ können die Beschwerden und die Behandlung sehr unterschiedlich sein.
Die meisten Erkrankungen werden in einem separaten Artikel bzw. Kapitel genauer besprochen. In diesem Abschnitt werden die wichtigsten Erkrankungen, Symptome, Untersuchungen und chirurgischen Behandlungsmöglichkeiten zusammengefasst.
Erkrankungen der Speiseröhre
Ösophagitis
Ösophagusdivertikel
Motilitätsstörungen des Ösophagus
Ösophagusverletzungen
Ösophagusvarizen
Ösophagustumore
Erkrankungen des Magens
Gastritis
Magentumoren
Erkrankungen des Duodenums
Adhäsionsbedingter Dünndarmileus
Ulcuserkrankung
Erkrankungen des Pankreas
Pankreatitis
Pankreasverletzungen
Pankreasfehlbildungen
Pankreaskarzinom
Pankreastransplantation
Erkrankungen der Leber und Gallenwege
Zu den wichtigen Erkrankungen der Leber gehören:
Cholestatische Lebererkrankungen
Leberverletzungen
Leberzysten
nichtparasitäre Zysten
parasitäre Zysten
Leberabszesse
Lebertumore
Primäre Lebertumore
Gutartige:
Adenom
Fokal noduläre Hyperplasie (FNH)
Hämangiome
Bösartige:
Hepatozelluläres Karzinom (HCC)
Cholangiokarzinom (CCC)
Hepatoblastom
Sekundäre Lebertumore
Sekundäre Lebertumore sind Metastasen von anderen Tumoren, zum Beispiel:
kolorektales Karzinom
neuroendokrine Neoplasien (NEN)
andere Nicht-KRK-Tumoren
Nicht-NET-Tumoren
Typische Symptome bei Erkrankungen der Leber
Mögliche Symptome sind:
Juckreiz
Ikterus
heller Stuhl
dunkler, teilweise schäumender Urin
Übelkeit
Fieber
Schüttelfrost
rechtsseitige Oberbauchschmerzen
Völlegefühl
frühes Sättigungsgefühl
Müdigkeit
Leistungsminderung
Zunahme des Bauchumfangs
Lebervergrößerung
Bei fortgeschrittenen Lebererkrankungen können außerdem typische Zeichen auftreten:
Caput medusae
Weißnägel
Spider-Nävi
Untersuchungen
Zur Untersuchung von Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes stehen verschiedene Methoden zur Verfügung.
Labor
Bei Erkrankungen der Leber werden unter anderem folgende Werte bestimmt:
Transaminasen: Sie können bei einem Leberzellzerfall erhöht sein.
AST (GOT) – kommt auch in Herz- und Skelettmuskulatur vor
ALT (GPT)
GLDH (Glutamatdehydrogenase)
Cholestasewerte: Sie können bei einem Gallenstau erhöht sein.
γ-GT
AP
LAP
direktes und indirektes Bilirubin
Lebersynthese: Diese Werte zeigen unter anderem, ob die Leber noch ausreichend Eiweiße und Gerinnungsfaktoren bilden kann.
Albumin
Faktoren der Blutgerinnung
PT
aPTT
CHE
Bildgebung
Je nach Erkrankung kommen zum Einsatz:
Sonographie
CT, bei der Leber teilweise als 4-Phasen-CT
MRT mit leberspezifischem Kontrastmittel
PE
Zusätzlich können je nach Erkrankung Endoskopien wie Gastroskopie und Koloskopie durchgeführt werden.
Bei Lebererkrankungen können verschiedene Resektionsverfahren durchgeführt werden:
Hepatektomie (nur bei Lebertransplantation)
Hemihepatektomie links/rechts
Erweiterte Hemihepatektomie
Bisegmentektomie
Segmentektomie
Atypische (Wedge-) Resektion
Durchblutungsstörung
Mesenterialinfarkt
Dünndarmtumore
Neuroendokrine Tumore
Verletzungen
Dünndarmtransplantation
Ileus
Hierzu gehören verschiedene entzündliche Erkrankungen des Dickdarms, die je nach Ursache konservativ oder operativ behandelt werden können.
Tumore des Dickdarms gehören zu den wichtigen Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes.
Prävention: Zur Früherkennung des kolorektalen Karzinoms gibt es verschiedene Möglichkeiten:
Koloskopie ab dem 45 LJ bis 75 LJ, in der Regel alle 10 Jahre
alternativ Stuhltest (FIT), in der Regel alle 2 Jahre
Ein Ileus ist ein Darmverschluss bzw. eine relevante Behinderung der Darmpassage.
Man unterscheidet grundsätzlich:
mechanischen Ileus: Die Darmpassage ist durch ein Hindernis blockiert.
paralytischen Ileus: Die Darmbewegung ist gestört bzw. aufgehoben.
Ein Ileus kann verschiedene Ursachen haben und kann ein chirurgischer Notfall sein.
Zu den Erkrankungen des unteren Gastrointestinaltraktes gehören unter anderem:
Erkrankungen des Rektums
Erkrankungen des Anus
Rektumprolaps
weitere proktologische Erkrankungen
Divertikel sind Ausstülpungen der Darmwand. Sie können ohne Beschwerden bestehen oder sich entzünden. Eine Entzündung wird als Divertikulitis bezeichnet.
Verletzungen im Bereich des Abdomens und Beckens können verschiedene Organe betreffen. Dazu gehören unter anderem:
Leber
Milz
Magen
Dünndarm
Dickdarm
Pankreas
Gefäße
Je nach Ausmaß der Verletzung erfolgt eine konservative, interventionelle oder operative Behandlung.
Andere wichtige Krankheitsbilder
Meckel-Divertikel
Das Meckel-Divertikel ist ein Überbleibsel des Ductus omphaloentericus. Es kann sich entzünden, bluten oder selten bösartig entarten.
Das Divertikel kann ektopische Magenschleimhaut enthalten. Dadurch kann Magensäure entstehen und es kann zu Blutungen kommen.
Das Meckel-Divertikel ist eine wichtige Ursache für gastrointestinale Blutungen bei Kindern.
Wird es bei einer Operation, zum Beispiel bei einer Appendektomie, zufällig entdeckt, kann je nach Situation eine Entfernung in Betracht gezogen werden.
Pneumatosis intestinalis
Definition: Gasansammlung innerhalb der Darmwand.
Normalerweise befindet sich die Luft im Darmlumen. Freie Luft im Abdomen kann auf eine Perforation hinweisen. Befindet sich Gas innerhalb der Darmwand bzw. intramural, spricht man von einer Pneumatosis intestinalis.
Je nach Ursache kann sie harmlos sein, aber auch auf eine schwere Erkrankung, zum Beispiel eine Durchblutungsstörung des Darms, hinweisen.
Befindet sich Luft in den Gallenwegen, spricht man von Aerobilie. Dies kann beispielsweise nach einer ERCP/EPT oder bei einem Gallensteinileus auftreten.
Intestinal Failure
Früher wurde häufig der Begriff Kurzdarmsyndrom verwendet.
Beim Intestinal Failure kann der Darm seine Aufgabe nicht mehr ausreichend erfüllen, sodass die Aufnahme von Nährstoffen, Flüssigkeit und Elektrolyten nicht mehr ausreicht.
Fisteln
Definition: Eine Fistel ist eine unnatürliche Verbindung zwischen zwei Hohlorganen oder zwischen einem Hohlorgan und der Haut bzw. Umwelt. Durch diese Verbindung kann Flüssigkeit oder Darminhalt fließen. Diese können künstlich unnatürlich angelegt worden sein kann, wo Flüssigkeit durchfliessen kann. Beispiele hierfür wären:
Witzel-Fistel: künstlich angelegte Verbindung des Magens zur Haut/Umwelt zur Ernährung
PEG-Sonde: wird endoskopisch über den Magen angelegt und dient ebenfalls der enteralen Ernährung
enteroenterale Fistel: Verbindung zwischen zwei Darmabschnitten
arteriovenöse Fistel: Verbindung zwischen einer Arterie und einer Vene
Heute wird bei entsprechender Indikation häufig eine PEG-Sonde verwendet.
Darmanastomose
Eine Anastomose ist eine künstlich hergestellte Verbindung zwischen zwei Darmabschnitten.
Sie wird beispielsweise nach einer Darmresektion angelegt, damit die Darmpassage wiederhergestellt werden kann.
Mögliche Probleme bzw. Kontraindikationen
Bei bestimmten Situationen muss die Anlage einer Anastomose besonders sorgfältig abgewogen werden, zum Beispiel bei:
Morbus Crohn (elective OPs)
Kurzdarmsyndrom
vorangegangener Bestrahlung, z. B. im Becken
schlechter Durchblutung des Darms
starker Spannung auf der Anastomose
Darmvorbereitung
Je nach Operation und Operationsart kann eine Darmvorbereitung notwendig sein.
Mögliche Maßnahmen:
keine feste Nahrung in den Stunden (48 Stunden) vor dem Eingriff entsprechend der ärztlichen Vorgabe
Klare Suppen
Reichlich zuckerhaltige Getränke
Energiereiche Sondenkost
Keine Ballaststoffe
klare Flüssigkeiten
klare Brühe
energiereiche Getränke bzw. Sondenkost nach ärztlicher Vorgabe
ballaststoffarme bzw. ballaststofffreie Ernährung
Einlauf am Vorabend, wenn erforderlich
Bei Eröffnung des Dünndarms
Enddarm wird gereiningt
Bei einer geplanten Eröffnung des Darms wird je nach Eingriff eine entsprechende Reinigung des Darms durchgeführt.
Nahtmaterial
Für Darmanastomosen werden häufig resorbierbare Nahtmaterialien verwendet. Langsam resorbierbare geflochtene Fäden (z.B. Vicryl) oder monofile Fäden (z.B. Monocryl) der Stärke 4-0. (z.b. PDS 4-0)
Beispiele:
Vicryl
Monocryl
PDS
Die Auswahl des Nahtmaterials und der Fadenstärke richtet sich nach der jeweiligen Operation und der verwendeten Technik.
Anastomosentechniken
Eine Darmanastomose kann manuell mit Naht oder mit einem Klammernahtgerät durchgeführt werden.
Anastomose mit Naht
Bei der manuellen Anastomose werden zunächst die entsprechenden Eckfäden angelegt - Anlage eines mesenterialen und antimesenterialen Eckfadens, Nadel belassen.. Anschließend wird die Anastomose beispielsweise:
fortlaufend seromuskulär oder
in Einzelnknopfnahttechnik
verschlossen.
Mit Eckfaden wird die Anastomose seromuskulär fortlaufend oder in Einzelnknopfnahttechnik durchgeführt, bei Fortlaufend je Naht nach halbe Zirkumferenz mit Ende des nächsten Eckfadens abgeschlossen.
Wichtig ist dabei, dass die Darmenden gut durchblutet sind und die Anastomose spannungsfrei angelegt wird.
Dünndarmanastomose mit linearer Klammernaht (GIA)
Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung eines linearen Klammernahtgerätes (GIA).
Dabei wird zunächst die Durchblutung des Darms beurteilt, um geeignete Resektionsgrenzen festzulegen: Durch Belichtung Durchblutung durch Meso angeschaut, damit man weiß wo man resezieren kann
Anschließend:
wird das Peritoneum im Bereich der geplanten Resektion eröffnet: Inzision des Peritoneums auf beiden Seiten
werden die Darmabschnitte mit dem Klammernahtgerät durchtrennt: Durchtrennung des Darmes ebendort mit linearer Klammernaht auf beiden Seiten mit Nähen und Schneiden.
werden beide Darmenden antimesenterial nebeneinandergelegt,
werden die entsprechenden Öffnungen angelegt,
(Einführen der beiden Branchen der GIA-Klammergerätes (Seit-zu-Seit-Anastomose) wird das GIA-Klammergerät zur Herstellung der Seit-zu-Seit-Anastomose eingesetzt,
anschließend wird die gemeinsame Öffnung wieder verschlossen.
Brancheseröffung wird zweireihig verschlossen.
Funktionell entsteht dadurch eine End-zu-End-Verbindung, obwohl die Anastomose technisch als Seit-zu-Seit-Anastomose angelegt wurde.
Nachsorge nach einer Darmanastomose
Nach einer Darmoperation sind verschiedene Maßnahmen wichtig:
frühzeitige Mobilisation
Atemtherapie
Thromboseprophylaxe
regelmäßige Laborkontrollen
Wundkontrollen
ausreichende Schmerztherapie
Schmerztherapie mit Periduralkatheter (Keine Opiate)
Überwachung der Darmfunktion
schrittweiser Kostaufbau
Ernährung
Nach der Operation wird die Ernährung langsam aufgebaut.
Je nach Operationsverlauf kann zunächst beispielsweise mit:
schluckweise Tee
klarer Brühe
begonnen werden.
Schluckweise Tee und klare Brühe bis Darmgeräusche, danach langsame Kostaufbau.
Bei wieder einsetzender Darmfunktion erfolgt anschließend ein langsamer Kostaufbau.
Bei verzögerter Darmfunktion oder unzureichender oraler/enteraler Ernährung kann eine parenterale Ernährung notwendig sein.
Bei Verzögerung parenterale Ernährung.
Komplikationen einer Darmanastomose
Mögliche Komplikationen sind:
protrahierter paralytischer Ileus
mechanischer Ileus durch Anastomosenstenose
Anastomoseninsuffizienz und Peritonitis
Ursachen:
Falsche Nahtmaterial
Spannung (Schlechte Durchblutung und Ischämie)
Darmfisteln
intraabdominelle Abszesse
Ursachen einer Anastomoseninsuffizienz
Mögliche Ursachen sind:
schlechte Durchblutung bzw. Ischämie
zu viel Spannung auf der Anastomose
ungeeignetes Nahtmaterial bzw. ungeeignete Nahttechnik
lokale Infektion
Abszessbildung
gestörte Wundheilung
Eine Anastomoseninsuffizienz ist eine ernste Komplikation und muss schnell erkannt und behandelt werden.
Zusammenfassung
Die Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes sind sehr vielfältig und können praktisch jedes Organ des Verdauungssystems betreffen. Für die Beurteilung sind Anamnese, klinische Untersuchung, Labor, Bildgebung und gegebenenfalls Endoskopie wichtig.
Bei chirurgisch behandelten Erkrankungen spielen insbesondere Resektion, Anastomosen, Darmvorbereitung und postoperative Nachsorge eine wichtige Rolle. Entscheidend für eine sichere Behandlung sind unter anderem eine gute Durchblutung, eine spannungsfreie Anastomose und die frühzeitige Erkennung von Komplikationen.