logos
📚 📈 ⭐
Seite 1 / 16 100% Version: Basics 📄 View PDF

Skull bones

Schädel-Knochen Abbildung: Schädel lateral mit wichtigen Knochen und Nähten.Der Schädel bildet das knöcherne Grundgerüst des Kopfes. Er schützt Gehirn, Hirnhäute, Gefäße und Sinnesorgane (Augen, Ohren, Riechorgan und Geschmacksorgan), formt die Gesichtsregion, begrenzt Nasen- und Mundhöhle, bildet die Orbitae und enthält zahlreiche Durchtrittsstellen für Hirnnerven und Gefäße.Anatomisch wird der Schädel meist in den Hirnschädel (Neurocranium) und den Gesichtsschädel (Viscerocranium bzw. Splanchnocranium) eingeteilt. Zusätzlich kann man die Kalotte (Schädeldach), die Schädelbasis und die Gesichtsschädelanteile getrennt betrachten.…

Log in or create a free account to keep reading.

Abbildung: Schädel lateral mit wichtigen Knochen und Nähten.

Der Schädel bildet das knöcherne Grundgerüst des Kopfes. Er schützt Gehirn, Hirnhäute, Gefäße und Sinnesorgane (Augen, Ohren, Riechorgan und Geschmacksorgan), formt die Gesichtsregion, begrenzt Nasen- und Mundhöhle, bildet die Orbitae und enthält zahlreiche Durchtrittsstellen für Hirnnerven und Gefäße.

Anatomisch wird der Schädel meist in den Hirnschädel (Neurocranium) und den Gesichtsschädel (Viscerocranium bzw. Splanchnocranium) eingeteilt. Zusätzlich kann man die Kalotte (Schädeldach), die Schädelbasis und die Gesichtsschädelanteile getrennt betrachten.

Überblick

• Der menschliche Schädel besteht klassisch aus 22 Knochen: 8 Knochen des Neurocraniums und 14 Knochen des Gesichtsschädels.

• Die Schädelknochen sind überwiegend über Suturen verbunden; die Mandibula bildet als beweglicher Knochen das Kiefergelenk mit dem Os temporale.

• Die Schädelbasis enthält die vordere, mittlere und hintere Schädelgrube und zahlreiche Foramina für Hirnnerven und Gefäße.

• Pneumatisierte Knochen enthalten Nasennebenhöhlen: Sinus frontalis, maxillaris, sphenoidalis und Cellulae ethmoidales.

Knochen des Neurocraniums

Abbildung: Hirnschädel und Gesichtsschädel in frontaler und lateraler Ansicht.

Knochen

Anzahl

Wichtige anatomische Beziehungen

Os frontale

1

Stirn, Orbitadach, vordere Schädelgrube, Sinus frontalis

Ossa parietalia

2

Großer Anteil der Kalotte; Begrenzung von Sagittal- und Koronarnaht

Ossa temporalia

2

Felsenbein, äußeres/mittleres/inneres Ohr, Kiefergelenk, Processus mastoideus und styloideus

Os occipitale

1

Hinterhaupt, Foramen magnum, Condyli occipitales, hintere Schädelgrube

Os sphenoidale

1

Zentraler Schädelbasisknochen; Sella turcica, Ala major/minor, Canalis opticus, Fissura orbitalis superior

Os ethmoidale

1

Lamina cribrosa, Crista galli, Nasenhöhle, mediale Orbitawand, Cellulae ethmoidales

Knochen des Gesichtsschädels

Abbildung: Gesichtsschädel in Frontalansicht mit wichtigen Knochen.

Knochen

Anzahl

Merke

Maxillae

2

Oberkiefer, harter Gaumen, Orbitaboden, Sinus maxillaris

Mandibula

1

Unterkiefer; einziger frei beweglicher Schädelknochen

Ossa zygomatica

2

Jochbein; laterale Orbitawand und Jochbogen

Ossa nasalia

2

Knöcherner Nasenrücken

Ossa lacrimalia

2

Mediale Orbitawand; Tränenapparat

Ossa palatina

2

Hinterer Anteil des harten Gaumens und laterale Nasenwand

Conchae nasales inferiores

2

Eigenständige Knochen der lateralen Nasenwand

Vomer

1

Posteroinferiorer Anteil des Nasenseptums

Kalotte und Suturen

Abbildung: Laterale Schädelansicht mit Suturen und Schädelknochen.

Die Kalotte besteht vor allem aus Os frontale, Ossa parietalia und Anteilen von Os occipitale und Ossa temporalia. Sie schützt die Großhirnhemisphären und besteht aus einer äußeren Kompakta, der Diploë und einer inneren Kompakta.

• Sutura coronalis: zwischen Os frontale und Ossa parietalia.

• Sutura sagittalis: zwischen den beiden Ossa parietalia.

• Sutura lambdoidea: zwischen Ossa parietalia und Os occipitale.

• Sutura squamosa: zwischen Os temporale und Os parietale.

• Wormsche Knochen: akzessorische kleine Knochen innerhalb von Suturen, häufig im Bereich der Lambdanaht.

Fontanellen und Entwicklung

Abbildung: Suturen als Grundlage für Wachstum und Verknöcherung der Kalotte.

Beim Neugeborenen sind die Schädelknochen noch nicht vollständig knöchern verbunden. Fontanellen erlauben die Verformung während der Geburt und das Wachstum des Gehirns.

• Fonticulus anterior: größte Fontanelle zwischen Stirn- und Scheitelbeinen; klinisch am wichtigsten.

• Fonticulus posterior: zwischen Parietal- und Okzipitalknochen, schließt früher als die vordere Fontanelle.

• Eine vorzeitige Verknöcherung von Nähten wird als Kraniosynostose bezeichnet und kann zu typischen Schädeldeformitäten führen.

• Kalottenknochen entstehen überwiegend desmal/intramembranös; Schädelbasisanteile entstehen überwiegend enchondral.

Schädelbasis

Abbildung: Laterale knöcherne Orientierung mit Schädelbasisbezug.

Die innere Schädelbasis wird in drei Schädelgruben eingeteilt. Diese Einteilung ist wichtig für Anatomie, Bildgebung, Neurochirurgie und Traumaversorgung.

Schädelgrube

Wichtige Knochen/Strukturen

Inhalt/Bezug

Fossa cranii anterior

Os frontale, Os ethmoidale, Ala minor ossis sphenoidalis

Frontallappen; Lamina cribrosa mit Fila olfactoria

Fossa cranii media

Os sphenoidale, Pars petrosa ossis temporalis

Temporallappen; Sella turcica; Foramina für N. opticus und Trigeminusäste

Fossa cranii posterior

Os occipitale, Pars petrosa ossis temporalis

Cerebellum, Hirnstamm; Foramen magnum; Nn. IX-XII

Wichtige Foramina und Durchtrittsstellen

Abbildung: Laterale Orientierung zur Lage wichtiger Schädelöffnungen.

Durchtrittsstelle

Lokalisation

Wichtige Inhalte

Lamina cribrosa

Os ethmoidale

Fila olfactoria des N. olfactorius (I)

Canalis opticus

Os sphenoidale

N. opticus (II), A. ophthalmica

Fissura orbitalis superior

Zwischen Ala major und Ala minor ossis sphenoidalis

Nn. III, IV, V1, VI; V. ophthalmica superior

Foramen rotundum

Os sphenoidale

N. maxillaris (V2)

Foramen ovale

Os sphenoidale

N. mandibularis (V3), kleine Gefäße

Foramen spinosum

Os sphenoidale

A. meningea media

Meatus acusticus internus

Pars petrosa ossis temporalis

N. facialis (VII), N. vestibulocochlearis (VIII)

Foramen jugulare

Os temporale/Os occipitale

Nn. IX, X, XI; V. jugularis interna

Canalis hypoglossus

Os occipitale

N. hypoglossus (XII)

Foramen magnum

Os occipitale

Medulla oblongata, Meningen, Aa. vertebrales, spinale Anteile des N. accessorius

Schädelhöhlen und Nasennebenhöhlen

Abbildung: Seitliche Schädelzeichnung mit Beziehung zu Nase, Oberkiefer und Zähnen.

Der Schädel enthält mehrere funktionelle Räume: Cavitas cranii, Orbitae, Cavitas nasi, Cavitas oris und die pneumatisierten Nasennebenhöhlen.

• Sinus frontalis: im Os frontale, variable Größe, Drainage in den mittleren Nasengang.

• Sinus maxillaris: größte Nasennebenhöhle, enger Bezug zu Oberkieferzähnen und Orbitaboden.

• Sinus sphenoidalis: im Os sphenoidale, enger Bezug zu Hypophyse, N. opticus und A. carotis interna.

• Cellulae ethmoidales: zwischen Nasenhöhle und Orbita, klinisch wichtig bei Sinusitis und Orbitakomplikationen.

Topographische Orientierung am Schädel

Abbildung: Laterale Orientierung des Schädels.

Abbildung: Frontale Orientierung des Schädels.

• Norma frontalis: Stirn, Orbitae, Nasenöffnung, Maxilla, Mandibula.

• Norma lateralis: Os temporale, Arcus zygomaticus, Fossa temporalis, Porus acusticus externus, Processus mastoideus.

• Norma occipitalis: Os occipitale, Protuberantia occipitalis externa, Lineae nuchae, Lambdanaht.

• Norma basalis externa: harter Gaumen, Choanen, Processus pterygoidei, Foramen magnum, Condyli occipitales.

• Norma verticalis: Kalotte mit Sutura coronalis, sagittalis und lambdoidea.

Muskelansätze und Gelenke

Abbildung: Laterale Schädelregion mit Bezug zu Kiefergelenk und Processus mastoideus.

Der Schädel dient zahlreichen Muskeln als Ursprung oder Ansatz. Klinisch wichtig sind Kaumuskulatur, mimische Muskulatur, supra- und infrahyoidale Muskeln sowie Nackenmuskulatur.

• Articulatio temporomandibularis: Gelenk zwischen Caput mandibulae und Fossa mandibularis des Os temporale mit Discus articularis.

• Articulatio atlantooccipitalis: Gelenk zwischen Condyli occipitales und Atlas; ermöglicht vor allem Nickbewegungen.

• Linea temporalis und Fossa temporalis: Ursprung des M. temporalis.

• Processus mastoideus: Ansatz mehrerer Halsmuskeln, u. a. M. sternocleidomastoideus.

Blutversorgung und venöse Abflüsse

Die Schädelknochen werden über periostale, meningeale und diploische Gefäße versorgt. Die A. meningea media verläuft klinisch besonders wichtig an der Innenseite des Os temporale und Os parietale.

• Diploevenen können Verbindung zu venösen Sinus und Emissarvenen haben.

• Emissarvenen verbinden extrakranielle Venen mit intrakraniellen venösen Sinus und können Infektionswege darstellen.

• Sinus durae matris liegen zwischen Duraschichten; wichtige Beispiele sind Sinus sagittalis superior, Sinus transversus, Sinus sigmoideus und Sinus cavernosus.

Klinische Bedeutung

Abbildung: Klinisch wichtige laterale Schädelregionen und Knochenbeziehungen.

• Schädelbasisfrakturen können Hirnnerven, A. carotis interna, venöse Sinus oder Liquorräume betreffen.

• Fraktur im Bereich des Os temporale kann mit Blutung aus dem Ohr, Hörstörung, Fazialisparese oder Liquorrhoe verbunden sein.

• Verletzung der A. meningea media kann ein epidurales Hämatom verursachen, klassisch bei temporoparietalem Trauma.

• Frakturen der vorderen Schädelbasis können mit Rhinoliquorrhoe und Störung des Geruchssinns einhergehen.

• Sinusitis der Ethmoidalzellen kann wegen der dünnen Lamina papyracea auf die Orbita übergreifen.

• Kiefergelenksbeschwerden betreffen häufig Discus, Kaumuskulatur und Okklusion.

Lernschema

Abbildung: Wiederholung der wichtigsten Schädelknochen in zwei Ansichten.

1. Zuerst den Schädel in Neurocranium und Viscerocranium einteilen.

2. Dann die 8 Hirnschädelknochen und die 14 Gesichtsschädelknochen wiederholen.

3. Danach Kalotte, Schädelbasis und Gesichtsschädel getrennt betrachten.

4. Foramina immer mit Inhalt lernen: Nerven, Arterien, Venen.

5. Klinische Bezüge ergänzen: Frakturen, Hämatome, Sinusitis, Kiefergelenk, Kraniosynostosen.

Kurze Zusammenfassung

Der Schädel ist eine komplexe knöcherne Einheit aus Hirnschädel und Gesichtsschädel. Seine wichtigsten Aufgaben sind Schutz des Gehirns, Formgebung des Gesichtes, Stabilisierung von Kau- und Sinnesorganen, Bildung der Nasen- und Mundhöhle sowie die Führung wichtiger Nerven und Gefäße durch definierte Foramina. Für die klinische Anatomie sind besonders Schädelbasis, Suturen, Foramina, Nasennebenhöhlen, A. meningea media und Kiefergelenk wichtig.

medwissen.ch