(Syn.: Dickdarm, Grimmdarm, lat. Intestinum crassum, engl. Colon, Large intestine)
or reproduced without the permission of the author Dr. Dr. med. sci. Abidin Geles.
Kolon
Hauptabschnitt des Dickdarms (Intestinum crassum), vom Coecum bis zum Rektum am rektosigmoidalen Übergang.
Resorption von Wasser und Elektrolyten
Wasserrückresorption (ca. 1,5 Liter pro Tag)
Eindickung des Darminhalts
Schleimsekretion
Stuhlspeicherung
Abwehr von Bakterien und Keimen
Bildung von essentiellen Aminosäuren durch die Bakterien drinnen
Hat eine Darmflora.
Länge: ca. 1,0–1,5 m
Durchmesser: ca. 6 cm
Caecum: ca. 7–8 cm (weitester Abschnitt)
Colon ascendens: ca. 6 cm
Colon transversum: ca. 5 cm
Colon descendens: ca. 4 cm
Colon sigmoideum: ca. 2,5–4 cm (engster Abschnitt, häufigste Stelle von Divertikeln und Karzinomen)
Colon ascendens:
Der untere Teil vom Colon ascendens wird Coecum (Blinddarm) oder „blinder“ Anfangsteil genannt. Am unteren Pol ist der Appendix vermiformis angehängt.
Colon transversum
Colon descendens
Colon sigmoideum
Colon rectum
Taeniae coli: Taeniae coli: Drei längs verlaufende Muskelstreifen, die durch Verdichtung der äußeren Längsmuskulatur entstehen: Taenia libera (ventral), Taenia mesocolica (dorsomedial) und Taenia omentalis (dorsolateral).
Haustra coli: Haustra coli: Beutelartige Ausbuchtungen der Kolonwand zwischen den Taeniae, durch Kontraktion der Ringmuskulatur gebildet.
Appendices epiploicae: Appendices epiploicae: Zipfelförmige Fettanhängsel des Peritoneums entlang der Taeniae.
Embryologie
Das Colon entwickelt sich aus dem Mittel- und Hinterdarm (Midgut und Hindgut).
Mitteldarmanteile Mitteldarmanteile (versorgt durch A. mesenterica superior): Caecum, Appendix vermiformis, Colon ascendens, rechtes Drittel bis zwei Drittel des Colon transversum.
Hinterdermanteile Hinterdermanteile (versorgt durch A. mesenterica inferior): linkes Drittel des Colon transversum, Colon descendens, Colon sigmoideum, Rektum.
In der 6. Entwicklungswoche kommt es zur physiologischen Nabelschnurhernie:
Der Mitteldarm verlagert sich in den extraembryonalen Coelomraum der Nabelschnur und vollzieht dabei eine 90°-Drehung gegen den Uhrzeigersinn um die Achse der A. mesenterica superior.
Zwischen der 10. und 12. Woche kehrt der Darm in die Bauchhöhle zurück und dreht dabei weitere 180° gegen den Uhrzeigersinn (insgesamt 270°).
Dadurch kommt das Colon ascendens auf die rechte, das Colon descendens auf die linke Seite zu liegen. Colon ascendens und descendens werden durch Verwachsung mit der dorsalen Leibeswand sekundär retroperitoneal.
Störungen dieser Rotation führen zu Malrotationen (z. B. Situs inversus, nichtrotiertes Kolon) mit dem Risiko eines Volvulus.
Funktion
Wasserresorption: Wasserresorption: Täglich ca. 1,0–1,5 l Wasser werden resorbiert, der Dünndarmbrei (ca. 1,5–2 l/Tag) wird auf ca. 100–200 g Stuhl eingedickt.
Elektrolytresorption: Elektrolytresorption: Na⁺ wird aktiv resorbiert, Cl⁻ folgt passiv; K⁺ und HCO₃⁻ werden in das Lumen sezerniert.
Schleimproduktion: Schleimproduktion: Becherzellen (Caliciformes) produzieren Schleim zur Gleitfähigkeit des Stuhls und zum Schutz der Mukosa.
Mikrobielle Fermentation: Mikrobielle Fermentation: Unverdauliche Kohlenhydrate werden durch Kolonbakterien zu kurzkettigen Fettsäuren (Butyrat, Propionat, Acetat) fermentiert, die als Energiequelle für Kolonozyten dienen.
Speicherung und Defäkation: Speicherung und Defäkation: Das Colon sigmoideum und Rektum dienen als Stuhlreservoir.
Anatomie und Abschnitte
1. Caecum (Blinddarm)
Liegt im rechten Fossa iliaca, intraperitoneal (besitzt kurzes Mesocaecum)
Verbindung zum Ileum über die Valva ileocaecalis (Bauhin-Klappe), die den Rückfluss von Dickdarminhalt in den Dünndarm verhindert
Am Caecum entspringt die Appendix vermiformis (Wurmfortsatz): ca. 7–10 cm lang, intraperitoneal mit eigenem Mesenterium (Mesoappendix); enthält reichlich lymphatisches Gewebe (MALT); häufige Ursache der Appendizitis
Lage der Appendix variabel: retrocaecal (65%), pelvisch (30%), präileal, retroileal
2. Colon ascendens
Zieht vom Caecum aufwärts zur Flexura coli dextra (Flexura hepatica)
Sekundär retroperitoneal (nur ventrale Fläche von Peritoneum bedeckt)
Länge: ca. 12–20 cm
Liegt der ventralen Fläche des rechten M. iliopsoas, der rechten Niere (Ren dexter) und dem Duodenum (Pars descendens) an
3. Flexura coli dextra (Flexura hepatica)
Rechte Kolonflexur, Biegung von Colon ascendens zu Colon transversum
Liegt unterhalb des rechten Leberlappens (Lobus hepatis dexter) und der Gallenblase (Vesica biliaris)
4. Colon transversum
Zieht von der Flexura coli dextra zur Flexura coli sinistra (Flexura lienalis/splenica)
Intraperitoneal, mit langem Mesocolon transversum
Das große Netz (Omentum majus) ist am Colon transversum befestigt (Ligamentum gastrocolicum)
Länge: ca. 40–50 cm, variable Position
Versorgungsgrenze zwischen A. mesenterica superior (rechte 2/3) und A. mesenterica inferior (linkes 1/3): klinisch relevante Gefäßgrenze (watershed area)
5. Flexura coli sinistra (Flexura lienalis / splenica)
Linke Kolonflexur, Biegung von Colon transversum zu Colon descendens
Liegt unterhalb der Milz (Splen) und des Magens
Fixiert durch das Ligamentum phrenicocolicum (Sustentaculum lienis)
Griffith-Punkt: Schwachstelle der Gefäßversorgung, anfällig für ischämische Kolitis
6. Colon descendens
Zieht von der Flexura coli sinistra abwärts bis zur Fossa iliaca sinistra
Sekundär retroperitoneal
Länge: ca. 20–25 cm
Liegt der ventralen Fläche des linken M. iliopsoas und der linken Niere (Ren sinister) an
7. Colon sigmoideum (Sigma)
S-förmiger Abschnitt vom Colon descendens bis zum Rektum (Übergang bei S3)
Intraperitoneal, mit langem Mesosigma → hohe Mobilität → Risiko des Volvulus sigmoidei
Länge: ca. 25–40 cm (sehr variabel)
Häufigste Lokalisation von Divertikeln und kolorektalen Karzinomen
Übergang in das Rektum auf Höhe S3 (Promontorium)
Histologie
Die Kolonwand besteht aus vier Schichten (Tunicae):
1. Tunica mucosa
Keine Zotten (im Gegensatz zum Dünndarm)
Zahlreiche Krypten (Glandulae intestinales / Lieberkühn-Krypten): tief, gerade, dicht beieinander
Zelltypen:
Kolonozyten (Saugzellen): Hauptzellen, Na⁺- und Wasserresorption, mit Bürstensaum
Becherzellen (Caliciformes): zahlreich, Schleimproduktion; Anteil nimmt von proximal nach distal zu
Enteroendokrine Zellen: APUD-System, produzieren Serotonin, Somatostatin u. a.
Stammzellen: Basale Kryptenzellen, für Regeneration zuständig
Lamina propria mucosae: Bindegewebe mit Lymphozyten, Plasmazellen, Makrophagen und Kapillarnetz
Lamina muscularis mucosae: dünne innere Ringmuskelschicht und äußere Längsmuskelschicht
2. Tunica submucosa
Lockeres Bindegewebe mit Gefäßen, Lymphkapillaren und Nerven
Plexus submucosus (Meissner-Plexus): Teil des enterischen Nervensystems; reguliert Sekretion und Mukosadurchblutung
3. Tunica muscularis
Stratum circulare: innere Ringmuskelschicht, vollständig und gleichmäßig
Stratum longitudinale: äußere Längsmuskelschicht, zu den drei Taeniae coli konzentriert; zwischen den Taeniae sehr dünn
Plexus myentericus (Auerbach-Plexus): zwischen den beiden Muskelschichten; reguliert Peristaltik
Bei Morbus Hirschsprung fehlen die Ganglienzellen des Plexus myentericus → fehlende Relaxation → funktionelle Obstruktion
4. Tunica serosa / Adventitia
Intraperitoneal liegende Anteile: Tunica serosa (Peritoneum viscerale)
Retroperitoneal liegende Anteile: Tunica adventitia (Bindegewebe ohne Peritonealüberzug)
Appendices epiploicae: Ausstülpungen der Serosa mit Fettgewebe, entlang der Taeniae
Topographie
Colon ascendens: rechte Fossa iliaca und rechter Oberbauch; dorsal grenzt es an den M. iliopsoas, die Fascia transversalis und die rechte Niere; ventral an Dünndarmschlingen und Bauchwand; medial liegt das Duodenum (Pars descendens)
Colon transversum: reicht quer durch den Mittelbauch; kranial grenzt es an Leber, Gallenblase, Magen und Milz; dorsal an Duodenum, Pankreas und linke Niere; ventral hängt das Omentum majus
Colon descendens: linke Seite; dorsal an M. iliopsoas und linke Niere; ventral an Dünndarmschlingen
Colon sigmoideum: kleines Becken; liegt locker in der Peritonealhöhle; bei Frauen grenzt es an Uterus und Adnexe; bei Männern an Harnblase und Prostata; dorsal: Sakrum und Os ilium
Colon wird von A. mesenterica superior und A. mesenterica inferior, sowie im Rectumbereich auch von A. iliaca interna durch die Äste A. rectalis media und inferiror mit Blut versorgt.
A. mesenterica superior (AMS) – rechtes Kolon
A. ileocolica: Caecum, Appendix vermiformis, terminales Ileum, unteres Colon ascendens. R. appendicularis → Appendix (im Mesoappendix verlaufend, relevant bei Appendektomie)
A. colica dextra: Colon ascendens (inkonstant, fehlt in ca. 10–20%)
A. colica media: Colon transversum (rechte 2/3); anastomosiert mit A. colica sinistra über den Riolan-Bogen
A. mesenterica inferior (AMI) – linkes Kolon
A. colica sinistra: Colon descendens und linkes Colon transversum
Aa. sigmoideae (2–4 Äste): Colon sigmoideum
A. rectalis superior: oberes Rektum
Marginalgefäß nach Drummond: Anastomose entlang des Mesenterialrandes, verbindet AMS- und AMI-Gebiet; klinisch wichtig bei Resektion.
Griffith-Punkt (Flexura coli sinistra) und Sudeck-Punkt (rektosigmoidaler Übergang): gefäßarme Schwachstellen, anfällig für ischämische Kolitis.
Das gesamte venöse Blut des Kolons gelangt über das Pfortadersystem (V. portae hepatis) zur Leber.
V. mesenterica superior: Die gleichnamigen Venen (Vv. Jejunales, Vv. Iliales, V. ileocolica , V. colica dextra, V. colica media, V. pancreaticoduodenalis inferior, V. gastroomentalis dextra) fördern das Blut in die V. mesenterica superior, die sich hinter dem colum pancreatis mit V. lienalis verbündet und in die V. portae mündet.
V. mesentrica inferior: Fördert das Blut von V. colica sinistra, V. colica sigmoidea und Plexus venosus rectalis unterhalb von Flexura duodenojejunalis in die V. lienalis.
V. mesenterica superior: nimmt das Blut des rechten Kolons auf (Vv. ileocolicae, V. colica dextra, V. colica media); mündet hinter dem Pankreas mit der V. mesenterica inferior und V. splenica in die V. portae hepatis
V. mesenterica inferior: nimmt das Blut des linken Kolons auf (V. colica sinistra, Vv. sigmoideae, V. rectalis superior); mündet in die V. splenica oder direkt in die V. portae hepatis
Klinische Relevanz: Lebermetastasen kolorektaler Karzinome entstehen hämatogen über diesen portalen Weg.
Nerven
Innerviert durch:
Autonome Nervensystem
Enterische Nervensystem (ENS)
1. Parasympathisches Nervensystem
Rechtes Kolon (bis Flexura coli sinistra): N. vagus (X. Hirnnerv) → Plexus mesentericus superior
Linkes Kolon (ab Flexura coli sinistra bis Rektum): Nn. splanchnici pelvici (S2–S4) → Plexus hypogastricus inferior
Wirkung: Förderung der Peristaltik, Steigerung der Drüsensekretion, Erschlaffung von Sphinkteren
2. Sympathisches Nervensystem
Rechtes Kolon: Nn. splanchnici thoracici (T6–T12) → Plexus mesentericus superior → Ganglion mesentericum superius
Linkes Kolon: Nn. splanchnici lumbales (L1–L3) → Plexus mesentericus inferior → Ganglion mesentericum inferius
Wirkung: Hemmung der Peristaltik, Kontraktion von Sphinkteren, Vasokonstriktion
Schmerzleitung erfolgt über sympathische Afferenzen
3. Enterisches Nervensystem (ENS)
Plexus myentericus (Auerbach-Plexus): liegt zwischen Stratum circulare und Stratum longitudinale der Tunica muscularis; reguliert Peristaltik und Motilität
Plexus submucosus (Meissner-Plexus): in der Tunica submucosa; reguliert Sekretion und lokale Durchblutung
Das ENS kann unabhängig vom ZNS arbeiten (sog. „zweites Gehirn“)
Lymphknotengruppen und Lymphbahnen
Station 1- Nll. paracolici (blue) — directly on the colon wall, entlang der Marginalgefäße
Station 2- Nll. intermediii / mesocolici (green) — along the branches of the colic arteries
Station 3- Nll. principales — orange for the superior (right colon) and dark orange for the inferior (left colon)
Station 4- Nll. lumbales / paraaortici (purple) — alongside the aorta abdominalis
Station 5- Cisterna chyli → Ductus thoracicus → Angulus venosus sinister — the final path into the venous system
Klinische Relevanz: Beim kolorektalen Karzinom richtet sich das Ausmaß der Lymphadenektomie nach diesen Stationen (onkologisches Prinzip der „complete mesocolic excision", CME).
Literatur
Aumüller et al., Duale Reihe Anatomie, 2014
Schünke et al., Prometheus Lernatlas der Anatomie, 2018
Faller und Schünke, Der Körper des Menschen, 2016
Lüllmann-Rauch, Taschenlehrbuch Histologie, 2019
Huppelsberg und Walter, Kurzlehrbuch Physiologie, 2013