Einteilung
Gutartige Tumoren der Brust
LIPOME: Gutartige Tumoren des Fettgewebes
FIBROME: Gutartige Tumoren des Bindegewebes, verwachsen nicht mit der Unterlage
ZYSTEN: Mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume, verwachsen nicht mit der Unterlage
Bösartige Tumoren der Brust (BRUSTKREBS): Syn. Mammakarzinom, lat. Mamma carcinoma, engl. Breast cancer or carcinoma of the breast)
Brustkrebs
Definition
Maligne (bösartige) Tumor der Brustdrüse. Zellen wachsen unkontrolliert und invasiv. Tumorzellen können über Blut und Lymphe in andere Körperregionen gelangen und Metastasen (Tochtergeschwulste) verursachen.
Epidemiologie
32 % aller Krebserkrankungen der Frau in Österreich. Häufigste Krebserkrankung bei den Frauen, jede 7. Bis 10. Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. 171 pro 100 000 Einwohner erkranken jährlich an Brustkrebs. Brustkrebs ist in Asien und Afrika seltener verglichen mit Industriestaaten. Mittleres Erkrankungsalter ist bei 62. Frauen unter 35 Jahren sind selten betroffen. 1% der diagnostizierten Fälle sind Männer (m:w=1:100 ) [5]
Inzidenz gleichbleibend, Mortalität abnehmend
Am häufigsten ist der obere äußere Quadrant betroffen (50%). 20% um die Mamille, je 10 % die anderen Quadranten. Wenn mehrere Knoten in einem Quadranten ist es ein multifokaler Befall. Wenn mehrere Quadranten betroffen dann ist es ein multizentrischer Befall.
Die Metastasierung erfolgt lymphogen oder hämatogen und betrifft der Häufigkeit nach: Lymphknoten (vor allem der Achsel. Die in den inneren Quadranten liegenden Tumoren metastasieren Lymphknoten entlang der A. thoracica interna), Knochen, Lunge, Leber, Nebenniere, Gehirn.
Symptome
Schmerzen
Auffälliger Palpationsbefund
Sekretion aus der Mamille
Differenzialdiagnosen
Mastitis
Fibroadenom der Mamma
Mastopathie
Milchgangspapillom
Diagnose
Palpation: Tastbefund der Brust (unschaftbegrenzter Knoten, verwachsen mit der Unterlage) und Achselhöhle (Lymphknotenvergrößerungen)
Inspektion: Bei retromamillären Formen kommt es zur Retraktion der Mamille und zu Hauteinziehung, Orangeverfärbung der Haut über dem Tumor, Ulzerationen der Haut bei fortgeschrittenen Tumoren (exulceriertes Karzinom), Asymmetrie der Brust
Sonographie: Wenig entscheident bei DCIS
Mammographie: Verkalkung, vor allem bei DCIS
MRI: Vor allem bei DCIS
Stanzbiosie, Vakuumbiopsie: Vor allem bei DCIS
Tumormarker
CA 15-3, CEA
Histologie
Adenokarzinome (95%?), die vom Epithel der terminalen ductulolobulären Einheit ableiten
Invasiv
Invasives ductales Mammakarzinom (80%)
Invasives lobuläres Mammakarzinom (10%)
Tubuläres Mammakarzinom
Muzinöses Mammakarzinom (2%)
Medulläres Mammakarzinom (5%)
Nicht-Invasiv (Carcinoma in situ)
Ductales carcinoma in situ (DCIS): Nicht obligate Präkanzerose
Prolieferierende Erkrankung des Brustdrüsengewebes, die auf die Milchgänge beschränkt ist, ohne Durchbruch der Basalmembran, daher keine Metastasierung
Wichtigster Risikofaktor ist Alter
Hohe Inzidenz zwischen 70. Und 79. Lebensjahr
Einteilung der Kernmalignität (Aggressivität):
Low-grade
Intermediate
High-grade
Paget-Karzinom
Atypische duktale Hyperplasie (ADH): Präkanzerose
Inflammatorisches Mammakarzinom
Ductale Karzinome (wie Milchgangsepithel)
Lobuläre Karzinome (wie Drüsenläppchen)
Stadieneinteilung nach TNM-Klassifikation
1-) T für Tumorausdehnung
T0: kein Tumor nachweisbar TIS: Carcinome in situ, keine Invasivität T1: bis 2 cm Tumorgröße
T1a: 0,1-0,5 cm Tumorgröße
T1b: 0,5- 1 cm Tumorgröße
T1c: 1-2 cm Tumorgröße
T2: 2-5 cm Tumorgröße T3: > 5 cm Tumorgröße T4: jede Größe auf die Brustwand und/oder Haut
T4a: Brustwand
T4b: Ulzerationen und Ödeme der Haut
T4c: 4a und 4b
T4d: Inflammatorisches Mammakarzinom TX: Primärtumor nicht beurteilbar
2-) N für Lymphknotenmetastasen
N0: keine LK betroffen N1: 1-3 LK in der Achsel betroffen (Level I und II) N2: 4-9 LK in der Achsel betroffen
N2a: Befall eines axillär unverschieblichen Lymphknotens
N2b: Befall eines Lymphknoten an der A. thoracica interna N3: >= 10 LK in der Achsel oder unter/über Clavicula betroffen (ipsilateraler Clavicula: Level III),
NX: Regionären Lymphknoten nicht beurteilbar
3-) M für Fernmetastasen M0: keine Fernmetastasen M1: Fernmetastasen vorhanden (Lunge, Leber, Knochen): Lebenszeitverlängerung, psychisch und körperliche Stabilisierung der Lebensqualität
Therapie
1-) Operation: Amputation oder Ablation mit axillärer Lymphknotendissektion
Hier läuft das thorakodorsaler Gefässnervenbündel
Nervus thorakodorsalis
A/V thorakodorsalis
Axilläre LK-Dissektion: Level I-III?
Quadrantenresektion: Bei TIS, Tumoren <= 3cm, 2 cm Sicherheitsabstand, Entfernung des Sentinel-Lymphknotens
Bei DCIS
Bei größeren Befunden bzw. bei Invasivität Sentinel-Lymphknoten entfernen
Eine adjuvante antihormonelle und/oder Radiotherapie (Risiko für ein Rezidiv um 55% reduziert) empfohlen (Studien: NSABP-17, European Organization for Research and Treatment of cancer-EORTC), wobei kein Überlebensvorteil
(laufende Studien: COMET-Studie)
Radikale Mastektomie: Bei Tumoren >= 3 cm, Befall der Mamille, multizentrische Tumoren oder Hautinfiltrationen.
Rekonstruktion
Sofortrekonstruktion mit Eigengewebe oder Implantat:
bei gutem Hautmantel, strenge Patientenselektion
Erhöht Lebensqualität, spart Kosten
Kein hoher Lokalrezidiv oder schlechteres Überleben
Kontroindikationen:
Inflammatorisches Karzinom
Unvollständige Entfernung des Tumors
Starke Raucher
Vorangegangene Radiatio
Ausgeprägte Adipositas
Relative Kontroindikation:
Postmastektomiebestrahlung (Wundnekrosen mit Verlust des Implantates sowie schlechtem kosmetischem Ergebnis)
2-) Zytostatika
NW: Blutbildveränderungen, Organschäden
3-) Hormontherapie: Wenn Hormonrezeptoren positiv sind zB. mit einem Antiöstrogen, Aromatasehemmer, GnRH Analogon, …
NW: Thrombosen, Osteoporose
4-) Strahlentherapie
NW: Lymphödem, Lungen- und Herzprobleme
5-) Krebsimmuntherapie
6-) Bei Patienten mit Her2 neu pos. Rezeptoren Therapie mit Thyrosinkinasehemmer Lapatinib
Risikofaktoren
Alter
Erbliche (5-10 % der Patienten) <Honrado et all, The molecular pathologyy of hereditary breast cancer: genetic testing and therapeutic implications, Modern Pathology, 2005), (Meindl et all, Genetik des familiären Brust- und Eierstockkrebses: Paneldiagnostik – Möglichkeiten und Grenzen, medgen 2015>
Mutation in den Genen BRCA1 und BRCA2:
Brustkrebsrisiko von 85%
Erhöhtes Risiko für andere Krebsarten
Eierstockkrebs (45%)
Männer höheres Risiko für Bruskrebs, Prostatakrebs (bis 40%) <Schörghofer D, Genetik des Prostatakarzinom, 2019>
Pankreaskarzinom (unter 10%) <Teller P, Management oft he asymptomatik BRCA mutation carrier, 2010>
Einfluss auf Therapieplanung sowie Therapie mit PARP-Inhibitoren
Bei BRCA1 oder BRCA2 Positivität:
Regelmässige MRI-Untersuchungen
Jährliche Mammographien sowie halbjährliche Vaginaluntersuchungen ad dem 35 Lebensjahr
Aufnahme in die Prostatakrebsfrüherkennungsprogramm sowie Abtasten der Brust bei Männer ab dem 40. Lebensjahr
Weitere Mutationen als Brustkrebsrisiko in den Genen: ATM, CHEK2, NBN, PALB2, PTEN und TP53. Weiters CDH1 (hohes Risiko für diffuses Magenkarzinom und lobulärer Brustkrebs) sowie Mutation in STK11-Gen. < (Shulman et all, Hereditary breast and ovarian cancer (HBOC): clinical features and counseling for BRCA1 and BRCA2, Lynch syndrome, Cowden syndrome, and Li-Fraumeni syndrome. Obstetrics and Gynecology Clinics of North America, 2010>
Wichtig für die Therapie der Brustkrebspatienten
Hochrisiko-Gene mit einem Risiko über 40%: BRCA1 und BRCA2, PTEN, TP53
Mastektomie bevorzugt
Operation der kontralateralen Seite anbieten => Reduzierung auf unter 10%
Mittelrisiko-Gene mit einem Risiko =< 40%: ATM, CHEK2, NBN, PALB2
Brusterhaltende Operation anstreben
Operation der kontralateralen Seite im Allgemeinen nicht empfohlen
Mastektomie und Operation der kontralateralen Seite im Einzelfall gestellt (auf Wunsch der Patienten).
Wichtig für die Angehörige, um entsprechende Früherkennungsprogramme und ggf. vorbeugende Massnahmen einzuleiten
Hochrisiko-Gene mit einem Risiko über 40%: BRCA1 und BRCA2, PTEN, TP53
Prophylaktische Entfernung beider Brüste angeboten Auftreten von Brustkrebs auf unter 10% gesenkt.
Prophylaktische Entfernung beider Adnexen angeboten Auftreten von Eierstockkrebs auf unter 1% gesenkt.
Mittelrisiko-Gene mit einem Risiko gleich/unter 40%: ATM, CHEK2, NBN, PALB2
Prophylaktische Operation im Allgemeinen nicht empfohlen
Prophylaktische Operation im Einzellfall gestellt
Erworbene Risikofaktoren
Hormonell:
Frühe Menarche
Späte Menopause
Frauen, die spät gebären oder nicht gebären
Orale Kontrazeptiva
Postmenopausale Östrogentherapie
Postmenopausale Gewichtszunahme
Hormonersatztherapie – potmenopausal
Ernährung (fettreich)
Ionisierende Strahlung: Strahlenexposition früher
Adiposistas
Alkoholabusus
Nikotinabusus
Erhöhte Brustdichte
Kontralaterales Mammakarzinom (Erstdiagnose)
Nachsorge:
Kontrolle alle 6 Monate
Therapie gegen Rezidiv:
Strahlentherapie
Antiendokrine Therapie
Rezidiv
Höheres Rezidiv-Risiko:
Größere Tumore
höheres Grading
Vorhandensein von Comedonekrosen.
Therapie nach Rezidiv:
Metastasektomie
Strahlentherapie
Chemotherapie
Hormontherapie
Prophylaxe
Abtasten der Brust 1x pro Monat (v.a. nach der Menstruation)
Vermeidung der Risikofaktoren
MRT Brust
Mammaographien
Vaginaluntersuchungen
Prostatafrüherkennungsprogramen
REFERENZEN:
[5] M. A. Roubidoux: Breast cancer, male. In: Emedicine, Stand vom 24. September 2008