Abb. 1: Schematische Darstellung der axillären Nerven.
Definition: Die Axilla ist der anatomische Raum zwischen lateraler Brustwand und medialem Oberarm.
Synonyme: Achsel, Achselhöhle, Fossa axillaris, Spatium axillare.
Die Achselhöhle bezeichnet klinisch die Hautfalte zwischen Brustwand und Oberarm, die beim Erwachsenen behaart ist.
Die Axilla ist eine wichtige Durchtrittsregion für Gefäße, Nerven und Lymphbahnen zwischen Hals, Thorax und oberer Extremität.
• Die Axilla enthält A. axillaris, V. axillaris, Plexus brachialis, Lymphknoten, Fett und Bindegewebe.
Inhalt
A. axillaris
Fortsetzung der A. subclavia; wird distal des M. teres major zur A. brachialis.
Äste der A. axillaris
A. thoracica superior, A. thoracoacromialis, A. thoracica lateralis, A. subscapularis, A. thoracodorsalis, A. circumflexa humeri anterior/posterior.
V. axillaris
Sammelt venöses Blut aus oberer Extremität; liegt meist medial/anterior der Arterie.
Zuflüsse der V. axillaris
V. cephalica, V. thoracoepigastrica, V. thoracica lateralis, V. thoracodorsalis und weitere Begleitvenen.
Plexus brachialis
Cords und Äste liegen um die A. axillaris und versorgen obere Extremität.
Lymphknoten
Pectoral, subscapular, humeral, central und apical nodes.
Fett und Bindegewebe
Ermöglichen Verschieblichkeit und enthalten Leitungsbahnen.
Sie hat Apex, Basis und vier Wände: anterior, posterior, medial und lateral.
Vordere Wand: M. pectoralis major, M. pectoralis minor
Der Raum zwischen M. pectoralis minor und Clavicula wird von der Fascia clavipectoralis überspannt
Hintere Wand: M. subscapularis, Unten von M. teres major und M. latissimus dorsi
Laterale Begrenzung: Humerus, Caput breve m. bicipitis, M. coracobrachialis
Mediale Begrenzung: Die ersten 4 Rippen mit den dazwischen liegenden Intercostalmuskeln, Teil des M. seratus anterior
Apex der Axilla weist nach cranial: distale Anteile der ersten Rippe, Oberrand des Schulterblatts (scapula) und der Schlüsselbein
Die Basis der Axilla liegt caudal: mit breiter Seite beim Thorax anliegend und spitz zum Oberarm zulaufend, wird von Haut und einer dicken Schicht der Fascia axillaris gebildet
• Plica axillaris anterior (vordere Achselfalte) wird vor allem durch den M. pectoralis major gebildet.
• Plica axillaris posterior (hintere Achselfalte) wird vor allem durch den M. latissimus dorsi gebildet.
• Klinisch wichtig sind Lymphknoten bei Mammakarzinom, Plexusverletzungen, Gefäßverletzungen und axilläre Nervenblockaden
Grenzen der Axilla
Apex
Nach kranial; distale Anteile der 1. Rippe, Oberrand der Scapula und Clavicula; Übergang zum Hals.
Basis
Nach kaudal; Haut und dicke Fascia axillaris, breit am Thorax und spitz zum Oberarm.
Vordere Wand
M. pectoralis major, M. pectoralis minor, Fascia clavipectoralis.
Hintere Wand
M. subscapularis, M. teres major, M. latissimus dorsi.
Mediale Wand
Erste 4 Rippen mit Interkostalmuskeln und Teil des M. serratus anterior.
Laterale Wand
Humerus, Caput breve des M. biceps brachii und M. coracobrachialis.
• Der Raum zwischen M. pectoralis minor und Clavicula wird von der Fascia clavipectoralis überspannt.
Rein motorischer Nerv aus Pars supraclavicularis des Plexus brachialis
Verlauf: Druchbohrt unterhalb von N. dorsalis scapulae den M.scalenus medius und auf dem M. seratus anterior nach caudal
Innervation: M. seratus anterior
Bei Ausfall kann Arm nicht über die Horizontale gehoben werden, Abstehen des Schulterblattes nach dorsal (scapula alata) – Zunahme bei Elevation (Heben des Armes über die Horizontale) der Schulter
Motorisch
Verlauf: Verläuft mit A. subscapularis gemeinsam entlang der Hinterwand der Axilla auch mit gleichnamiger Vene und Arterie, gibt Äste an M. teres major und zieht zum M. latissimus dorsi
Innervation: M. latissimus dorsi, M. teres major
Bei Ausfall: M. latissimus dorsi ist ein Innenroller der Schulter, bei Ausfall Funktion von M. pectoralis major und M. teres major übernommen, daher wenig klinische Folgen. Da er auch eine Adduktion des Armes macht, kann bei Widerstand Schwierigkeit den Arm nach unten und vorne zu drucken, geben.
Verläuft quer durch die Axilla zur Innenseite des Oberarmes und versorgt diese sensibel
Bei Ausfall vor allem nach axilläre Dissektion Taubheitsgefühle im Bereich der Innenseite des Oberarmes
Innervation: M. deltoideus, M. teres minor
Geht über in N. thoracodorsalis
Innervation: M. subscapularis
Nerven der Axilla
Plexus brachialis in der Axilla
• Die Cords des Plexus brachialis werden nach ihrer Lage zur zweiten Portion der A. axillaris benannt: lateral, medial und posterior.
• Wichtige Endäste: N. musculocutaneus, N. medianus, N. ulnaris, N. radialis und N. axillaris.
• N. axillaris zieht durch die laterale Achsellücke und versorgt M. deltoideus, M. teres minor und die Haut über dem lateralen Schulterbereich.
N. thoracicus longus (C5-C7)
Rein motorisch; verläuft auf dem M. serratus anterior nach kaudal; Ausfall führt zur Scapula alata und erschwerter Armhebung über die Horizontale.
N. thoracodorsalis (C6-C8)
Motorisch; verläuft mit A./V. thoracodorsalis entlang der hinteren Axillawand; innerviert M. latissimus dorsi.
N. intercostobrachialis (Th2)
Sensibler Ast des 2. Interkostalnerven; zieht quer durch die Axilla zur Innenseite des Oberarms; kann nach Axilladissektion Taubheit verursachen.
N. axillaris (C5-C6)
Innerviert M. deltoideus und M. teres minor; sensibel im lateralen Schulterbereich.
Nn. subscapulares (C5-C6)
Innervieren M. subscapularis und M. teres major; stehen in Beziehung zum N. thoracodorsalis.
Gefäße der Axilla
A. thoracica superior
A. thoracoacromialis
A. thoracica lateralis
A. subscapularis
A. thoracodorsalis
A. circumflexa humeri anterior
A. circumflexa humeri posterior
V. thoracoepigastrica
Vv. Thoracoepigastricae
V. profunda brachialis
V. thoracica lateralis
V. thoracodorsalis
V. cephalica
Axillararterie
Die A. axillaris wird durch den M. pectoralis minor in drei Abschnitte eingeteilt. Diese Einteilung hilft beim Lernen der Äste.
• 1. Teil: A. thoracica superior.
• 2. Teil: A. thoracoacromialis und A. thoracica lateralis.
• 3. Teil: A. subscapularis, A. circumflexa humeri anterior und posterior.
Hier sind im Durchschnitt 50 Lymphknoten vorhanden, welche Lymphe aus dem Arm, dem oberen Quadranten der Rumpfwand von Rücken und Brustwand weitertransportieren.
Über die Vasa lymphatica superficialia werden Lymphe gesammelt (Oberflächliche Lymphkollektoren).
Lymphknoten werden in 3 Stockwerke (Levels) unterteilt:
Level 1 (lateral des M. pectoralis minor): Untere Gruppe, paramammäre LK, entlang der A/V thoracica lateralis, LK entlang der A/V. subscapularis und thoracodorsalis, LK entlag der V/A. axillaris,
Level II (Auf und unter dem M. pectoralis minor): LK zwischen M. pectoralis major und minor, LK unter dem M. pectoralis minor
Level III (medial des M. pectoralis minor): LK im Trigonum claviculopectorale Mohrenheim-Grube, welche durch Clavicula, M. pectoralis major und M. deltoideus begrenzt ist.
Axilläre Lymphknoten
In der Axilla liegen im Durchschnitt etwa 50 Lymphknoten. Sie transportieren Lymphe aus Arm, oberem Quadranten der Rumpfwand, Rückenregion und Brustwand weiter. Über oberflächliche Lymphkollektoren wird Lymphe aus Haut und Subkutis gesammelt.
Pectoral / anterior
Vordere Thoraxwand und großer Teil der Mamma.
Subscapular / posterior
Rückenwand und hintere Schulterregion.
Humeral / lateral
Oberarm und obere Extremität.
Central
Sammelt Lymphe aus den peripheren Gruppen.
Apical
Abfluss Richtung Truncus subclavius und venöser Winkel.
Level I
Lateral des M. pectoralis minor; untere Gruppe, paramammäre Lymphknoten, Lymphknoten entlang A./V. thoracica lateralis, subscapularis/thoracodorsalis und axillaris.
Level II
Auf und unter dem M. pectoralis minor; Lymphknoten zwischen M. pectoralis major und minor sowie unter dem M. pectoralis minor.
Level III
Medial des M. pectoralis minor; Lymphknoten im Trigonum claviculopectorale / Mohrenheim-Grube.
Klinische Orientierung
Mammakarzinom
Axilläre Lymphknoten sind wichtig für Staging, Sentinel-Lymphknoten und Therapieplanung.
Plexus-brachialis-Block
Lokalanästhesie kann in Beziehung zur axillären Gefäß-Nerven-Scheide erfolgen.
Axillarisverletzung
Schulterluxation oder Fraktur des Collum chirurgicum humeri kann den N. axillaris schädigen.
Long thoracic nerve
Schädigung führt zur Scapula alata durch Ausfall des M. serratus anterior.
Axilläre Abszesse
Schweißdrüsen, Haarfollikel und Lymphknoten können entzündlich betroffen sein.
Lernschema
• 1. Axilla als Pyramide mit Apex, Basis und vier Wänden lernen.
• 2. Inhalt als Gefäße, Plexus brachialis, Lymphknoten, Fett merken.
• 3. A. axillaris in drei Teile um den M. pectoralis minor einteilen.
• 4. Cords des Plexus nach Lage zur A. axillaris benennen.
• 5. Lymphknotengruppen mit Mamma, Thoraxwand und Arm verknüpfen.
Zusammenfassung
Die Axilla ist eine Durchtritts- und Verteilerregion zwischen Hals, Thorax und oberer Extremität. Ihre Grenzen, Gefäße, Nerven und Lymphknoten sind anatomisch und klinisch zentral, besonders bei Schulterverletzungen, Regionalanästhesie und Erkrankungen der Mamma.
Referenzen
1) Anatomie-Lehrbücher
2) Eigene Vorlage: Axilla.docx von Dr. Abidin Geles, inklusive axillärer Nervendarstellung.
3) Axilla, Axillary artery, Brachial plexus und Axillary lymph nodes, Wikipedia / Wikimedia, zur Terminologie.